Leistungspreis senken: Peak Shaving mit Gewerbespeicher
1.10.2026, 4 Min. Lesezeit
Autor: Team Energovision, Planung und Service von Energieanlagen
Kurz gesagt: Ein Gewerbespeicher senkt den Leistungspreis, wenn er die höchsten Viertelstunden jedes Monats abdeckt. Bei Netz Niederösterreich kostet auf Netzebene 6 jedes Kilowatt Leistung heuer 74,28 € im Jahr. Kappt ein Speicher die monatlichen Spitzen dauerhaft um 50 kW, sinken die Netzkosten um rund 3.714 € pro Jahr. Entscheidend ist, dass die Spitzen in jedem Monat gekappt werden, nicht nur einmal im Jahr.
Dieser Artikel erklärt, wie der Leistungspreis in Österreich berechnet wird, wo er auf Ihrer Rechnung steht und wie man aus dem 15-Minuten-Lastgang die passende Speichergröße ableitet. Stand: Oktober 2026.
Was der Leistungspreis ist und wer ihn zahlt
Betriebe mit Leistungsmessung zahlen dem Netzbetreiber zwei Komponenten: einen Arbeitspreis pro Kilowattstunde und einen Leistungspreis pro Kilowatt. Der Leistungspreis bezahlt die Netzkapazität, die Sie in Anspruch nehmen. Er hängt nicht davon ab, wie viel Strom Sie verbrauchen, sondern davon, wie hoch Ihre Spitzen sind.
Die Höhe richtet sich nach der Netzebene, an der Ihr Betrieb angeschlossen ist. Die Netzebene steht auf der Netzrechnung. Netz Niederösterreich weist für 2026 folgende Werte aus (exkl. 20 % USt.):
| Netzebene | Leistungspreis €/kW und Jahr | Arbeitspreis ct/kWh |
|---|---|---|
| 5 (Mittelspannung, Messung auf Mittelspannung) | 72,48 | 1,50 |
| 6 (Trafo, Messung auf Niederspannungsseite) | 74,28 | 2,56 |
| 7 (Niederspannung mit Leistungsmessung) | 56,04 | 6,65 |
Andere Netzbetreiber wie Wiener Netze oder Netz Burgenland haben eigene Preisblätter. Das Prinzip ist dasselbe, die Zahlen unterscheiden sich.
Warum jeder Monat zählt
In Österreich wird die verrechnete Leistung als arithmetischer Mittelwert der monatlichen Maxima ermittelt. Gemessen wird jeweils die höchste Viertelstunde eines Monats. Daraus folgen zwei Dinge:
- Eine einzelne Spitze kostet weniger als befürchtet. Steigt die Spitze in nur einem Monat um 50 kW, erhöht sich der Jahresmittelwert um rund 4,2 kW. Auf Netzebene 6 bei Netz NÖ sind das etwa 310 € im Jahr.
- Dauerhafte Einsparung braucht zwölf gekappte Monate. Erst wenn die Spitze in jedem Monat um 50 kW sinkt, sinkt auch der Mittelwert um 50 kW. Dann ergibt sich die Ersparnis von 50 × 74,28 € = 3.714 € pro Jahr.
Für die Speicherplanung ist das eine gute Nachricht: Der Speicher muss nicht jede Viertelstunde des Jahres kontrollieren. Er muss aber zuverlässig in jedem Monat da sein, wenn die Spitze kommt. Ein Speicher, der an einem Wintermorgen leer ist, verschenkt den Effekt für diesen Monat.
Nicht eingerechnet ist der Erneuerbaren-Förderbeitrag, den das Preisblatt von Netz NÖ zusätzlich mit 5,252 €/kW ausweist. Ob und wie stark er sich bei Ihnen mit der Spitze verändert, prüfen wir anhand Ihrer Rechnung.
Den Lastgang lesen: Wo kommen die Spitzen her?
Grundlage jeder Speicherplanung ist der 15-Minuten-Lastgang. Sie finden ihn im Smart-Meter-Portal Ihres Netzbetreibers, meist als CSV-Export für die letzten 12 Monate. Darin sehen Sie für jede Viertelstunde die bezogene Leistung.
Typische Ursachen für Spitzen in Gewerbe und Industrie:
- gleichzeitiges Anfahren von Maschinen, Kompressoren oder Lüftungsanlagen am Schichtbeginn,
- Kühl- und Kälteanlagen an heißen Tagen,
- Laden mehrerer E-Fahrzeuge zur selben Zeit,
- Heizstäbe, Öfen oder Trocknung in der Übergangszeit.
Wichtig sind drei Kennzahlen pro Monat: die Höhe der Spitze, wie lange sie dauert und wie oft der Betrieb nahe an diese Spitze kommt. Eine Spitze, die 15 Minuten dauert, braucht wenig Speicherkapazität. Ein Plateau über zwei Stunden braucht viel mehr. Das bestimmt, ob ein Speicher wirtschaftlich ist oder ob Lastmanagement allein reicht.
Speichergröße: Leistung und Kapazität getrennt planen
Ein Gewerbespeicher hat zwei Größen, die Sie getrennt betrachten sollten:
- Leistung in kW: um wie viel der Speicher die Spitze kappen soll. Sie entspricht der gewünschten Senkung des Leistungspreises.
- Kapazität in kWh: wie lange er diese Leistung halten muss. Sie ergibt sich aus der Dauer der Spitzen im Lastgang, plus Reserve.
Ein Rechenweg: Sie legen eine Zielgrenze fest, zum Beispiel 50 kW unter der heutigen Monatsspitze. Dann summieren Sie für jeden Tag die Energie, die über dieser Grenze liegt. Der ungünstigste Tag des Jahres bestimmt die nötige Kapazität. Bei mehreren Spitzen am selben Tag muss der Speicher zwischendurch wieder laden können.
Ein Energiemanagementsystem steuert das. Es lädt den Speicher in ruhigen Stunden oder aus PV-Überschüssen und gibt Leistung ab, sobald der Bezug die Grenze erreicht. Unser System EnergoMind arbeitet nach diesem Prinzip und dokumentiert, welche Spitzen gekappt wurden.
Peak Shaving mit PV kombinieren
Der Leistungspreis ist meist nicht der einzige Grund für einen Speicher. Die Wirtschaftlichkeit steigt, wenn er mehrere Aufgaben übernimmt:
- Eigenverbrauch erhöhen: Für eingespeisten PV-Strom zahlt die OeMAG derzeit rund 6 bis 10 ct/kWh (Marktpreis Juli bis September 2026). Jede gespeicherte und später selbst genutzte Kilowattstunde spart dagegen Energiepreis, Netzentgelte und Abgaben.
- Netzanschluss nicht erhöhen: Wer mehr Leistung braucht, zahlt bei der Erhöhung das Netzbereitstellungsentgelt. Bei Netz NÖ auf Netzebene 6 sind das 132,27 €/kW einmalig, auf Netzebene 7 sogar 210,65 €/kW. Ein Speicher, der 100 kW Erhöhung auf Netzebene 6 vermeidet, spart also rund 13.227 € einmalig.
- Abregelung nutzen: Das neue ElWG erlaubt dem Netzbetreiber, neue PV-Anlagen auf 70 % der Modulleistung zu begrenzen. Die abgeschnittene Mittagsspitze kann der Speicher aufnehmen.
- Notstrom: Mit Netztrenneinrichtung und Planung nach OVE kann der Speicher ausgewählte Verbraucher bei Netzausfall versorgen.
Erlöse am Regelenergiemarkt der APG sind für die meisten Betriebe nicht realistisch: Die Mindestgebotsgröße liegt bei 1 MW, kleinere Speicher kommen nur über einen Aggregator in einen Pool. Für Gewerbebetriebe bringt das Kappen der eigenen Spitzen in der Regel mehr.
Fazit
Der Leistungspreis ist bei vielen Betrieben ein großer, aber beeinflussbarer Kostenblock. Weil in Österreich der Mittelwert der Monatsspitzen zählt, braucht Peak Shaving einen Speicher, der jeden Monat zuverlässig verfügbar ist, und ein Energiemanagement, das ihn steuert. Ob sich das rechnet, zeigt erst Ihr 15-Minuten-Lastgang. Die Beispielrechnungen in diesem Artikel sind Modellrechnungen auf Basis des Preisblatts von Netz NÖ, keine Referenzprojekte.
Ihr nächster Schritt: Senden Sie uns Ihren Lastgang der letzten 12 Monate und eine Netzrechnung. Wir berechnen, um wie viel Kilowatt ein Speicher Ihre Spitzen senken kann und welche Kapazität dafür nötig ist. Mehr dazu auf unserer Seite Batteriespeicher für Unternehmen.
