Zum Inhalt springen

Menü

Netzanschluss für PV im Gewerbe: Ablauf in Österreich

1.10.2026, 4 Min. Lesezeit

Autor: Team Energovision, Planung und Service von Energieanlagen

Kurz gesagt: Beim Netzanschluss in Österreich ist meist die Netzkapazität der Engpass, nicht das Formular. Ob Ihre PV-Anlage voll einspeisen darf, hängt aber davon ab, wie viel Platz das Netz an Ihrem Standort hat. Wer die Kapazität früh prüft und die Anlage auf Eigenverbrauch auslegt, spart Zeit und Geld.

Dieser Artikel beschreibt den Ablauf vom ersten Datenblatt bis zur Betriebserlaubnis, die technischen Regeln nach TOR Erzeuger und die Kosten, die der Netzbetreiber verrechnet. Stand: Oktober 2026.

Wer ist Ihr Netzbetreiber?

In Österreich gibt es rund 123 Stromnetzbetreiber. Im Osten sind es vor allem:

  • Wiener Netze für Wien und Teile der Umlandgemeinden,
  • Netz Niederösterreich für den Großteil Niederösterreichs,
  • Netz Burgenland für das Burgenland.

Daneben gibt es zahlreiche kleine lokale Netzbetreiber, etwa Stadtwerke. Allein in Niederösterreich sind es rund 14. Welcher für Sie zuständig ist, sehen Sie auf der Stromrechnung beim Zählpunkt (beginnt mit AT00).

Der Ablauf in sieben Schritten

  1. Analyse: Zählpunkt, 15-Minuten-Lastgang aus dem Smart-Meter-Portal, vereinbarte Anschlussleistung und Netzebene. Daraus ergibt sich, wie groß die Anlage sinnvoll ist und wie viel eingespeist würde.
  2. Kapazität prüfen: Netz Niederösterreich veröffentlicht eine Kapazitäts-Karte, eine Trafokarte für Einspeiser und vierteljährlich die Kapazitäten der Umspannwerke. Eine Vorabanfrage klärt, was realistisch ist.
  3. Netzzugangsantrag: Antrag auf Netzzutritt für die Erzeugungsanlage, meist über das Onlineportal des Netzbetreibers. Netz Burgenland hat ein vereinfachtes Formular bis 20 kVA und eine eigene Checkliste für Anlagen ab 250 kVA. Nach dem ElWG gilt: Erhebt der Netzbetreiber bei Anlagen unter 20 kW innerhalb von 4 Wochen keinen Einwand, ist der Anschluss genehmigt.
  4. Angebot des Netzbetreibers: Nach der Netzdienstleistungsverordnung (END-VO) enthält es Kosten, voraussichtlichen Termin, Ansprechperson und die Zählpunktbezeichnung für die Einspeisung. Die Zählpunktbezeichnung soll innerhalb von 14 Tagen mitgeteilt werden. Mit der Annahme entsteht der Netzzutrittsvertrag.
  5. Errichtung: nach OVE E 8101 und den TOR, mit Prüfbefund und Dokumentation nach OVE EN 62446-1.
  6. Fertigstellungsmeldung und Betriebserlaubnis: Der Netzbetreiber schaltet die Anlage zu. Bei Netz Burgenland erlischt der Vertrag, wenn die Betriebserlaubnis nicht innerhalb von 24 Monaten nachgewiesen wird.
  7. Abnahme des Überschusses: Vertrag mit der OeMAG oder einem Stromhändler.

Die Zählpunktbezeichnung brauchen Sie auch für den EAG-Förderantrag. Wer fördern lassen will, sollte den Netzzugang daher früh beantragen.

TOR Erzeuger: Typ A und Typ B

Die technischen Anschlussregeln heißen in Österreich TOR Erzeuger. Sie setzen die EU-Verordnung RfG 2016/631 um und teilen Anlagen nach Leistung ein:

TypLeistungWas das für Sie bedeutet
Typ Aab 0,8 kW bis unter 250 kWStandardanforderungen an Wechselrichter, Schutz und Dokumentation
Typ Bab 250 kW bis unter 35 MWhöhere Anforderungen an Regelung, Fernsteuerung, Schutz und Nachweise

Die verwendeten Wechselrichter müssen auf der österreichischen Wechselrichterliste geführt sein. Das sollte vor der Bestellung geprüft werden, nicht danach. Anlagen ab 250 kW sind häufig auch die Projekte, bei denen eine eigene Trafostation oder ein Anschluss an das Mittelspannungsnetz nötig wird.

Was der Netzanschluss kostet

Wenn Sie für Ihren Betrieb mehr Bezugsleistung brauchen, verrechnet der Netzbetreiber ein Netzbereitstellungsentgelt pro kW. Bei Netz Niederösterreich gilt 2026 (exkl. USt.):

NetzebeneNetzbereitstellungsentgelt €/kW
5 (Mittelspannung)101,48
6 (Trafo, Messung Niederspannung)132,27
7 (Niederspannung mit Leistungsmessung)210,65

Für die Einspeisung bringt das ElWG ein eigenes Netzanschlussentgelt: Einspeiseleistung bis 15 kW ist davon befreit, darüber legt E-Control die Höhe fest. Hinzu kommen bei Bedarf die Kosten für Netzausbau auf Ihrer Seite, etwa eine Trafostation.

Normen und Prüfbefund

Errichtungsnorm für Niederspannungsanlagen ist die OVE E 8101, Nachfolgerin der früheren ÖVE/ÖNORM E 8001. Die neue Ausgabe OVE E 8101:2025 ist seit 1. Oktober 2025 verfügbar. Sie überarbeitet die Anforderungen an Erzeugungsanlagen und schließt Fehlerstrom-Schutzschalter vom Typ AC bei neuen Anlagen aus. Vor der Inbetriebnahme wird die Anlage nach OVE E 8101 und OVE EN 62446-1 geprüft und dokumentiert. Befund und Unterlagen sind über die gesamte Lebensdauer aufzubewahren. Im Betrieb gilt zusätzlich die Elektroschutzverordnung 2012: elektrische Anlagen in Arbeitsstätten sind spätestens alle 5 Jahre wiederkehrend zu prüfen.

Wenn die Kapazität nicht reicht

In Teilen Niederösterreichs und Oberösterreichs genehmigen Netzbetreiber für Betriebe oft nur eine begrenzte Einspeisung oder Nulleinspeisung. In den Jahren 2023 und 2024 gab es dort Phasen, in denen einzelne Umspannwerke gar keine neue Einspeisung zuließen. Zudem darf der Netzbetreiber neue Anlagen nach dem ElWG dauerhaft auf 70 % der Modulleistung begrenzen.

Lösungen, die sich bewährt haben:

  • Anlage auf Eigenverbrauch auslegen: Die Größe folgt dem Lastgang, nicht der Dachfläche.
  • Einspeiseregelung: Ein Energiemanagementsystem hält die Einspeisung auf dem genehmigten Wert.
  • Speicher: Er nimmt die Mittagsspitze auf und deckt Lastspitzen ab, sodass auch die Bezugsleistung nicht erhöht werden muss.
  • Flexibler Netzzugang: Nach dem ElWG kann die Einspeisung vorübergehend begrenzt werden, der volle Zugang soll innerhalb von 12 bis 24 Monaten folgen.

Häufige Fehler

  • Module und Wechselrichter bestellen, bevor die Netzkapazität geklärt ist.
  • Wechselrichter wählen, die nicht auf der österreichischen Wechselrichterliste stehen.
  • Die Grenze von 250 kW (Typ B) übersehen und den höheren Aufwand nicht einplanen.
  • Den EAG-Antrag zu spät stellen, weil die Zählpunktbezeichnung fehlt.
  • Den Lastgang nicht anschauen und eine Anlage planen, die vor allem einspeist.

Fazit

Der Netzanschluss für eine PV-Anlage im Gewerbe ist in Österreich klar geregelt, und die Antragsbearbeitung geht heute schnell. Zeit kostet die Netzkapazität: begrenzte Einspeisung, Spitzenkappung oder eine nötige Trafostation. Wer die Kapazität vor der Bestellung prüft, die TOR-Grenzen kennt und die Anlage auf Eigenverbrauch auslegt, kommt am schnellsten ans Netz.

Ihr nächster Schritt: Wir prüfen Lastgang, Netzebene und Kapazität an Ihrem Standort und planen PV-Anlage, Speicher und Netzanschluss bis zur Trafostation. Mehr dazu auf unserer Seite Photovoltaik für Unternehmen.

Quellen

Unverbindliche Anfrage

Schreiben Sie uns, worum es geht. Wir melden uns spätestens am nächsten Werktag.

Betriebe und Gemeinden: vertrieb@energovision.at
Telefon: +421 908 366 332
Termin für ein Online-Gespräch buchen (öffnet in neuem Fenster)

Ihre Angaben

* Pflichtfelder

Wie sollen wir antworten?

Pflicht ist nur der gewählte Kontakt. Das andere Feld können Sie leer lassen.

Wir melden uns spätestens am nächsten Werktag. 35 eigene Fachleute, 34 MWp installiert, Referenzen bisher aus der Slowakei.